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Pestizide

Den Asatz vu Pestizide gett momentan vill diskutéiert, sierf et op nationalem Plang, wéi och op europäeschem Niveau. D’Tendenz weisst kloër a Richtung Reduzéierung, resp. Ofschaafe vu chemesche Mëttelen. Och hei am land deet sech eppes, virun allem gudd Beispiller aus de Gemenge weisen, dass ee ganz gudd op Pestizide verzichte kann. Et brauch nierwt dem politesche Wëllen awer och di néideg Kompetenz am professionnelle Beräich an déi néideg Asiicht vu privater Säit, fir dee leschte Schrëtt kennen ze maachen. Virun allem eis agebiirgert Schéinheetsidealer musse mer iwwerdenken. Och “Onkraut” ka schéi bléien a muss nët ëmmer futti gemaach ginn. Eis TOP-Thema beschäftegt sech dofir dëss Kéier mam Thema “Pestizide”. Méi Informatiounen dozou fannt Der bei der Kampagne “sans pesticides” (de Link steet méi wäit ënnen).

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Was sind Pestizide und welche Wirkungsgruppen unterscheidet man?

Pestizide sind (meist chemische) Stoffe und Mittel zum Schutz von Pflanzen und/oder zum Abtöten von unerwünschten Schädlingen (Tiere und Pflanzen). Laut Definition in der EU-Richtlinie 2009/128/EG wird die Bezeichnung „Pestizide“ als Oberbegriff benutzt und in Biozide und Pflanzenschutzmittel unterteilt. Wie bei anderen Wörtern mit der gleichen Endung, deutet auch beim Wort Pestizid das Suffix „zid“ bereits darauf hin, dass es sich hierbei um eine totbringende Substanz handelt. Eine düster anmutende Bezeichnung für ein Produkt, das beispielsweise die Malaria auszurotten vermag. Auf den ersten Blick können Pestizide durchaus positive Effekte haben (z.B. Ertragssteigerung und –sicherung), weswegen auch melodiösere Bezeichnungen wie Pflanzenschutzmittel oder phytosanitäre Produkte Einzug in unseren Sprachgebrauch gefunden haben. Doch auf den zweiten Blick, welcher gemäß jeder Logik der objektivere ist, kommen die negativen Folgen des Pestizideinsatzes zum Vorschein, was einen veranlasst, letztgenannte Bezeichnungen getrost dem „Greenwashing“ (abgeleitet von „Weißwaschen“) zuzuordnen. An der Tatsache, dass Pestizide trotz allem dazu verwendet werden unerwünschtes Leben zu vertreiben oder abzutöten können auch die genannten Vorteile nichts ändern. Pestizide schaden nicht nur langfristig unserer Umwelt, sondern wirken sich auch direkt und indirekt auf die Gesundheit der Menschen aus!

Welche Wirkstoffe gibt es und wieviele sind zugelassen?

Pestizide bestehen meist aus chemischen Stoffen oder einer Kombination mehrerer dieser Wirkstoffe, sowie weiteren Zusätzen, wie Tenside oder Verdünnungsmittel. Die Wirkstoffe werden dabei als aktive Substanzen bezeichnet, während die Additive keinen direkten Einfluss auf die eigentliche Wirksamkeit haben, sondern lediglich zur Formgebung, Effizienzsteigerung oder zur besseren Handhabung beigemengt werden. Welche Wirkstoffe zum Einsatz kommen, hängt ganz vom Einsatzzweck oder der gewollten Wirkung ab. Wirkstoffmischungen werden häufig benutzt, um die erlaubten Höchstmengen bei einzelnen Substanzen nicht zu überschreiten. Dadurch kommt es dann häufig zu Mehrfachbelastungen. Weltweit existieren gut 900 Stoffe, die aufgrund der vielen Kombinationsmöglichkeiten in knapp 100.000 Produkten zum Verkauf zugelassen sind. In Europa sind momentan rund 600 aktive Substanzen zugelassen, welche zu etwa 2500 verschiedenen Produkten führen. In Luxemburg waren 2010 rund 220 Wirkstoffe erlaubt, während die Zahl der daraus hergestellten Produkte bei 445 lag. Rund ein Drittel aller Stoffe und etwa ein Fünftel aller Produkte des europäischen Marktes sind auch in Luxemburg legal erhältlich und anwendbar. 74 Produkte sind gar für die Anwendung auf Nichtkulturland zugelassen, d.h. auf allen Freilandflächen, die nicht landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt werden.

Strengere politische Beschlüsse auf europäischer und nationaler Ebene sind jedoch weiterhin vonnöten. Die Überführung des sogenannten europäischen Pflanzenschutzpakets (mehrere europäische Richtlinien, siehe Links) in nationales Recht muss von allen Mitgliedsstaaten mit der Ausarbeitung nationaler Aktionspläne bis Ende 2012 sichergestellt werden, was in Luxemburg bislang noch nicht passiert ist. Lediglich die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln und die Erlangung des sogenannten „Giftscheins“, also der Berechtigung Pflanzenschutzmittel nutzen zu dürfen, sind gesetzlich geregelt. Die Gemeinden können kommunale Reglements erstellen oder politische Absichtserklärungen unterzeichnen, um ein klares Zeichen hin zur „Pestizidfreiheit“ zu setzen. Die Vorlage der Absichtserklärung “communes et écoles sans pesticides” der Initiative NOGM finden Sie unter “Links”.

Schädlingsbekämpfung. Rosen im Garten

Wo und von wem werden wieviele Pestizide eingesetzt?

Pestizide werden überall dort eingesetzt, wo bestimmte Tier- und Pflanzenarten unerwünscht sind. Das bei weitem größte Anwendungsgebiet ist die Landwirtschaft. Man schätzt, dass wohl rund 90% aller weltweiten Pestizide hier Verwendung finden. Vor allem beim Baumwollanbau (über 10% der weltweit eingesetzten Pestizide), aber auch im Soja oder Maisandbau werden verstärkt Pestizide eingesetzt. Hier zeigt sich auch die enge Verknüpfung mit der Gentechnik: Sind die Gene einer Pflanze so verändert worden, dass diese gegen bestimmte Pestizide resistent sind, werden oftmals achtlos und großflächig solche Pflanzenschutzmittel ausgebracht. Zu den größten Pestizidverbrauchern gehören vor allem Industrieländer wie die USA, Japan, Frankreich und Deutschland, wo eine intensive Landwirtschaft betrieben wird. In Europa werden jährlich rund 300.000 Tonnen Pestizide hergestellt. Aber auch in Schwellenländern wie Brasilien, China oder Indonesien werden häufig Pestizide angewandt. Auf die Entwicklungsländer entfällt nur ein geringer Teil des Verbrauchs, aufgrund geringerer Schutzbestimmungen jedoch ein Großteil der Todes-, bzw. Vergiftungsfälle. In Europa wird häufig auf Herbizide zurückgegriffen, während in tropischen Ländern eher Insektizide gefragt sind. Neben der Landwirtschaft werden Pestizide aber auch von öffentlichen Verwaltungen zur Pflege von Freiflächen, Straßen, Wegen und Plätzen verwendet. Sogar auf Spielplätzen, in Schulhöfen, rund um Spitäler und Altersheime oder auf Sportplätzen kann es zum Pestizideinsatz kommen, was bei vielen Menschen zu einem direkten Kontakt mit diesen Mitteln führt. Auch Privatanwender und Hobbygärtner greifen häufig auf solche Produkte zurück, sei es zur Gartenpflege oder als Insektenschutz beispielsweise. Aufgrund der erhöhten Dosierung und der oftmals unsachgemäßen Handhabung spielen die beiden letztgenannten Anwendergruppen jedoch eine wesentlich Rolle was die Belastung unserer Umwelt mit Pestiziden angeht.

Wieso sind Pestizide so gefährlich und welche Auswirkungen haben sie?

Allein die Tatsache, dass Pestizide zum „Töten“ gemacht sind müsste jedem verraten, dass es sich dabei um schädliche Mittel handelt. Eines der größten Probleme von Pflanzenschutzmitteln ist die unspezifische Wirksamkeit, d.h. dass viele Pestizide nicht nur ein einziges „Unkraut“ oder einen einizigen „Schädling“ bekämpfen, sondern oftmals auch ganz unspezifisch auf viele andere Lebewesen einwirken und sogar deren Tod herbeirufen können. So werden auch nützliche Insekten (z.B. Bienen) oder wichtige Bodenorganismen geschädigt oder abgetötet. Man schätzt, dass nur rund 0,1% der Pestizide ihr eigentliches Ziel treffen. So sterben beispielsweise alleine in den USA über 60 Millionen Vögel jedes Jahr an den Folgen des Pestizideinsatzes. Viele Pestizide sin nur sehr schwer abbaubar und reichern sich somit in Boden, Luft und Wasser an, was mit der Zeit zu erhöhten Schadstoffkonzentration oder gar Mehrfachbelastungen führt. Durch diffuses Ausbringen der Chemikalien kommt es oft zur unkontrollierten Verbreitung, was eine zusätzliche unberechenbare Gefahr darstellt. So gelangen die Pestizide (z.B. über Nahrungsmittel oder Trinkwasser) früher oder später in die Nahrungskette des Menschen.

Wie bereits erwähnt können Pestizide leicht in die Nahrungskette gelangen an dessen Ende immer der Mensch steht. Bei direktem Aussetzen können Pestizide vom Menschen auf direktem Wege über Haut, Augen, Atemwege oder Schleimhäute aufgenommen werden und sich im Fettgewebe anreichern. Aber auch über Nahrungsmittel oder belastetes Trinkwasser können diese Stoffe in den Körper gelangen, wo sie zu akuten Vergiftungssymptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Erstickungsgefühl oder Hautirritationen führen können. Bei langzeitiger Belastung kann es sogar zu chronischen Erkrankungen kommen. Organschädigungen, Hormonstörungen, Fruchtbarkeitsverlust und Beeinflussung des Nervensystems zählen zu den häufigsten Erkrankungen bei Dauerbelastungspatienten. Laut einer Studie belgischer Krebsforscher sind rund 5,6% aller Krebsfälle auf Pestizide zurückzuführen.

Pestizide haben vielfältige direkte und indirekte Auswirkungen auf die natürlichen Ökosysteme unserer Erde, was aufgrund der vielen Zusammenhänge und Nebeneffekte nicht immer sofort sichtbar erscheint. Die wohl offensichtlichste Auswirkung des Pestizideinsatzes auf Umwelt und Natur ist die Reduzierung von Biodiversität und Artenvielfalt. Pestizide töten viele Tier- und Pflanzenarten und berauben somit weiteren Arten ihrer Lebensgrundlage. Dieser Teufelskreis überträgt sich mit der Zeit auf nahezu die gesamte Nahrungskette. Vor allem das große Bienensterben der letzten Jahre soll zum Teil auf den Einsatz von Spritzmitteln zurückzuführen sein. Aber auch auf die natürlichen Lebensräume vieler Tier- und Pflanzenarten haben Pestizide negativen Einfluss. Im Boden beispielsweise können sie wichtige Mikroorganismen abtöten, die für die Fruchtbarkeit, den Wasserhaushalt und die Struktur des Bodens sehr wichtig sind. Aber auch in Gewässern haben solche Mittel verhehrende Folgen. So wird das Mikroplankton (die Basis der Nahrungskette) zerstört und der Sauerstoffgehalt reduziert, was wiederum die gesamte Aquafauna bedroht. Die Liste der durch Pestizide bedrohten Biotope ist lang und vor allem die schädlichen Nebeneffekte der Abbauprodukte von Pestiziden sind noch in vielerlei Hinsicht unbekannt.

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Welche Alternativen zum Pestizideinsatz gibt es für Gemeinden und Privathaushalte?

Die Verringerung des Pestizideinsatzes beginnt bereits bei der Konzeption und Planung zukünftiger Projekte. Die Berücksichtigung von unterhaltsextensiven und naturnahen Grün- und Freiflächen verringert die Notwendigkeit des Pestizideinsatzes bereits maßgeblich im Vorauß. Ein differenziertes Grünflächenmanagement oder ein ökologischer Umbau bei bereits bestehenden Flächen beispielsweise können den nachträglichen Pflegeaufwand ebenfalls erhelblich verringern und den Einsatz von Pestiziden überflüssig machen. Eine weitere Alternative: Einfach mal wachsen lassen, wo es niemanden stört! Sollte doch ein erhöhter Pflegebedarf bestehen, kann man auf mechanische Geräte zum Entfernen von unerwünschten Pflanzen zurückgreifen. Hierzu gehören vor allem die Wildkrautbürsten, Zinkenwalzen, Stachelrotoren oder Krauteggen, die das Wildkraut herausreißen oder abschneiden. Thermische Krautbekämpfungsmittel können ebenfalls eingesetzt werden. Hier kann man Dampf, heißes Wasser oder Luft, Infrarotstrahlung oder Abflammverfahren einsetzen, um sich des Wildwuches zu entledigen. Durch erhöhten Personaleinsatz können die „Unkräuter“ auch auf traditionelle Weise per Hand entfernt werden. Detailliertere Informationen zu möglichen Maßnahmen und einem pestizidfreien Unterhalt kommunaler, öffentlicher Frei- und Grünflächen entnehmen Sie bitte den Vorträgen und Factsheets, die auf der Internetseite der Kampagne “Ohne Pestizide” (siehe Links) unter der Rubrik “Downloads” zur Verfügung stehen.

Privatpersonen sollten grundsätzlich immer auf einen Einsatz von Pestizidprodukten verzichten. Im Garten oder im Haushalt gibt es fast immer ein entsprechendes biologisches Hausmittel anstelle der chemischen Keule zur Bekämpfung schädlicher Pflanzen und Tiere. Sollte man trotz allem nicht auf den Gebrauch solcher Produkte verzichten wollen, sollte man unbedingt die Warn- und Sicherheitshinweise beachten, die Mittel sorg- und sparsam benutzen und außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren. Restprodukte sind als Sondermüll getrennt zu entsorgen (in Luxemburg bei der SuperDrecksKëscht). Ein bewussteres Konsumverhalten und der bevorzugte Kauf biologischer und regionaler Lebensmittel fördern ebenfalls die „Pestizidfreiheit“ unserer Umwelt. Weitere Infos finden Sie unter Links.

Nationale Kampagne „Ohne Pestizide“!!!

Die landesweite Kampagne „ohne Pestizide“ wird von einer Vielzahl von Akteuren aus dem Umweltbereich getragen und möchte auf die schädlichen Auswirkungen von Pestiziden auf Natur und Gesundheit aufmerksam machen und alternative Pflegemethoden öffentlicher und privater Flächen im Siedlungsraum aufzeigen. Hauptziel der Kampagne ist es, bestehende Sichtweisen, unrealistische Schönheitsideale und eingebürgerte Arbeitsmethoden zu verändern, hin zu mehr Toleranz und Akzeptanz, dem Erhalt der einheimischen Biodiversität und der Verringerung des Pestizideinsatzes, sowohl auf kommunalen Flächen, als auch in Privathaushalten und -gärten. UMDENKEN IST MÖGLICH!!!

Fazit

Trotz aller Aufklärung und Sensibilisierung wird vielerorts immer noch auf chemische Pflanzenschutzmittel und Pestizide zur Bekämpfung vermeintlicher Schädlingspflanzen und –tiere zurückgegriffen. Immer noch wird unsere Umwelt zerstört und unsere Gesundheit gefährdet. Es ist höchste Zeit, dass sich dies ändert. Schon längst gibt es Alternativen, die genutzt werden sollen und es möglich machen in Zukunft komplett auf den Einsatz von Pestiziden in Kommunen, Privathaushalten und sogar in der Landwirtschaft zu verzichten. Gehen wir es gemeinsam an!

Unter folgendem Link steht interessierten Gemeinden ein Fragebogen und ein Best-Practice-Projektdatenblatt zum Ausfüllen zur Verfügung. Die Angaben aus dem Projektdatenblatt, sowie die Frage 4 des Fragebogens (Grundlage für die Pestizidenkarte) werden auf der Internetseite der Kampagne “ohne Pestizide” veröffentlicht.

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